Am Berufskolleg können die Schüler nun auch ihren Bachelor machen

Es waren historische Unterschriften, die Götz Nafe und Professor Dr. Christian von der Heyden am Dienstagnachmittag an der Stuttgarter Straße leisteten. Der Vorsitzende des Fördervereins vom Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung und der Leiter der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld besiegelten eine Kooperation, die Bildung in Remscheid auf ein hohes Schild hebt. „Wir sind nun auch ein Fachhochschul-Standort“, verkündete Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz bei einer kleinen Feier im Kolleg stolz.

RGA Bachelor of Arts

Historischer Tag für Remscheid: Professor Dr. Christian von der Heyden (links) und Götz Nafe unterzeichnen den Kooperationsvertrag; Thomas Neuhaus, Cornelia Berghaus-Biermann und Burkhard Mast-Weisz schauen zu. 
© Roland Keusch

Ab 1. Oktober können die Industriekaufleute im Block im dualen Studium in Ostwestfalen ihren Bachelor machen. Ein Jahr müssen sie dafür an ihre dreijährige Ausbildung dranhängen. Der Vorteil: Die Berufsschüler müssen nicht einmal die anderthalb Stunden nach Bielefeld fahren. Die Zusammenarbeit ermöglicht ein Fernstudium, bei dem nur zum Bachelor-Abschluss ein Prüfer der FH nach Remscheid kommen wird.

Ansonsten verquicken die Teilnehmer ihre normalen Klausuren am Kolleg mit den Anforderungen der FH. Dafür gibt es aus Bielefeld Studienbriefe. Von der Heyden machte vier Gewinner bei der Kooperation aus: zuvorderst die Schüler, die zeitsparend in ihre Ausbildung ein Studium integrieren können; die Stadt, die von einem „Klebeeffekt“ ausgehen könne, sprich: dass Schüler zum Studium nicht aus ihrer Heimat abwandern; die Schulen, die mit dem Angebot beste Eigenwerbung betreiben; und die Unternehmen, die sich mit dem sogenannten „employer branding“ (Arbeitgebermarkenbildung) schmücken könnten und möglicherweise sich an den Studiengebühren mit einem Obolus beteiligen.

Götz Nafe glaubt: „Kooperation wird uns im Kampf um Talente befeuern“

Götz Nafe, Geschäftsführer der Steinhaus GmbH, wird dies mit Sicherheit tun. Begeistert von den Möglichkeiten, die sich aus der Kooperation ergeben, versprach er: „Wir werden progressiv mit dem Bachelor werben. Im Kampf um Talente wird es uns befeuern.“ Daran erinnerte auch der OB: „Wir brauchen dringend gute, junge Fachkräfte.“ Er sieht die gestrige Unterzeichnung als einen weiteren Trumpf für den Schulstandort Remscheid. Schulleiterin Cornelia Berghaus-Biermann kündigte an, dass die Industriekaufleute nur der Anfang sein werden.

VORAUSSETZUNG

BERUFSKOLLEG Wer am Kolleg für Wirtschaft und Verwaltung das Bachelorstudium aufnehmen will, muss eine Hochschulzugangsberechtigung (volle FH Reife oder Abitur) besitzen. Die ersten Schüler, die in das duale Studium einsteigen, werden Industriekaufleute im Block sein. Bielefeld bietet zudem an, auf den Bachelor später einen Master draufzusatteln.

„Zunächst wollen wir Erfahrungen sammeln mit dem Bachelor-Studium, um das Angebot dann auf weitere Ausbildungsgänge auszudehnen.“ Ihr Stellvertreter Achim Zyto, der die Idee erfolgreich vorangetrieben hatte, über die FH neue Anreize im Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung zu setzen, dachte in seinem Schlusswort mit einem Grinsen vier Jahre weiter: „Vielleicht können wir dann die erste Bachelor-Abschlussfeier schon in unserem neuen Schulgebäude feiern.“ Drei Alternativen stehen derzeit zur Auswahl, von denen die Stadtverwaltung einen Neubau an der Alleestraße befürworten würde.

Von Andreas Weber

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