Einwöchiges „Schnupperstudium“ an der Bergischen Universität Wuppertal

Zur Einordnung des Berichts (von Lothar Groß, Abteilungsleiter Wirtschaftsgymnasium Remscheid):
Das „Schnupperstudium“ bietet interessierten Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 12 des Wirtschaftsgymnasiums Remscheid kurz vor Schluss des Schuljahres eine ganze Studienwoche an der Bergischen Universität Wuppertal („Unterricht an einem anderen Ort als der Schule“). Die Universität stellt für jeden einzelnen „Schnupperstudenten“ individuell eine Vorlesungswoche zusammen. Die Schüler/innen äußern entsprechende Wünsche, die über die Schule an die Uni weiter geleitet  und in der Regel auch erfüllt werden. Das Schnupperstudium endet mit einem Praktikumsbericht. Ein besonders aussagekräftiger Bericht ist der folgende von Niklas Obermeier (Schüler des Remscheider Wirtschaftsgymnasiums):


Am ersten Tag des Schnupperstudiums gab es zuerst eine Begrüßungsveranstaltung. Es gab viele Informationen rund um das Thema Studium. Anschließend fand die für mich erste Vorlesung statt. Diese war die Vorlesung „Bewegung und Sport“ des Studiengangs Gesundheitsökonomie und -management. Die Orientierung auf dem großen Universitätsgelände gestaltete sich erst noch etwas kompliziert. Der Hörsaal war so, wie man sich einen kleinen Hörsaal vorstellt. Jedoch fehlt in den meisten Hörsälen Tageslicht. Das hat mich schon, trotz guter Beleuchtung, gestört. Aber nun keinen Vortrag über die fehlende Nutzung von Tageslicht, sondern zurück zur Vorlesung.
Der Professor hielt einen ziemlich spannenden und interessanten Vortrag. So erzählte er einige Anekdoten aus dem Leben, orientiert am Thema. Die wirtschaftlichen und sportlichen Zusammenhänge wurden dabei auch schnell deutlich. So müsse sich jeder gesunde Mensch viel bewegen, um gesund zu bleiben, insbesondere bezogen auf Büroarbeit. Das Sitzen sei das „neue Rauchen": Es macht uns krank. Damit wir dieses ungesunde Sitzen kompensieren können, bedarf es Bewegung.

Niklas Obermeier

Zudem lernten wir etwas über die Bewertung der Arbeitnehmer durch sogenannte „risk factors", um diese als Risikopersonen zu erkennen. Die „risk factors" sind das Alter (age), Familiengeschichte (family history) und das Konsumieren von Drogen (cigarette smoking). Beim Screening gilt es dann, Kranke und Gesunde nach Sensitivität und Spezifität zu identifizieren.
Zudem ging der Professor auch auf aktuelle Themen ein. Er zeigte anhand von Statistiken, dass immer weniger geraucht wird, dafür aber mehr andere Drogen konsumiert werden. Zudem ging der Durchschnitt an gegangenen Kilometern pro Tag und Arbeitnehmern von 1910 - 2005 um 19,2 km zurück (20 km/0,8 km). Des Weiteren riet er von dem aktuellen Fitnesswahn ab. Man solle auf sein Gefühl hören und nicht auf Zahlen. Proteinshakes führen zu Nierenschäden, LowCarb-Ernährung und Diäten schaden dem Denkvermögen.

Wer abnehmen möchte, muss laut dem Professor nur eins tun: weniger essen. Durch Sport an sich nehmen wir nicht ab. Zur Gewichtsreduzierung empfiehlt es sich, einfach 10% seines Mittagsessens wegzulassen, vor dem Essen zu trinken und langsam zu essen. All dies dämmt den Hunger ein.
Es gibt auch eine Differenzierung zwischen Sport und Bewegung, denn Sport beinhaltet nicht zwingend Bewegung.
So lernte ich viel in dieser Vorlesung.

Am Dienstag besuchte ich früh morgens die Vorlesung „Einführung in die Informatik". Ich habe festgestellt, dass ich mit viel Engagement zwar Informatik studieren könnte, dies aber nicht meinen Neigungen entspricht.
Bei der anschließenden Volkswirtschaftslehre-Vorlesung, welche wir besucht haben, war ich erst überrascht. Ich habe mir einen Hörsaal nicht so groß vorgestellt. Aus der Vorlesung habe ich nicht so viel mitgenommen. Bekannte Begriffe fielen, aber der Professor gestaltete die Vorlesung nicht ideal. Der Ton war auch etwas unverständlich.
Anders sollte dies am Mittwoch werden. Um 12:00 Uhr begann im gleichen Hörsaal eine Vorlesung zum Thema Absatz (Wirtschaftswissenschaft).
Die Vorlesung war sehr interessant und wurde ebenso souverän sowie gut verständlich gehalten. Das Wissen aus meinem Betriebswirtschaftslehre-Unterricht beinhaltet auch ein gewisses Grundwissen zum Thema Absatz. Wir lernten die Wichtigkeit der Kundenbindung. In der Vorlesung dann wurde ein „Tempel der Kundenbindung“ vorgestellt, welcher aus integrierter Kommunikation, dem Herstellen von Kontakten, dem Vermitteln von Emotionen, dem Erreichen von Verständnis und der Verankerung im Gedächtnis besteht.
Der Professor stellte durch Verweisung auf Fortnite (Lama-Aktion) einen aktuellen Bezug her und bezog die Kommilitonen mit ein. Die Vorlesung war insgesamt sehr interessant und im Ablauf stringent. Es ging mit Marketingkommunikation weiter.
Am Donnerstag gab es im Studiengang „Sozialwissenschaften“ eine vier Stunden lange Vorlesung über die Verfahren zur Datenerhebung. Der Professor ging auf Fragen der Kommilitonen ein und baute Nähe zu den Studenten auf. Die Berechnungen an sich konnte ich jedoch, trotz bekannter Begriffe wie Varianz und Korrelation nicht lückenlos nachvollziehen. Dennoch war die Vorlesung interessant.
Am Freitag stand dann die letzte Vorlesung an. Es wurden die Grundzüge des Privatrechts besprochen. Im Genaueren ging es um Prokura allgemein. Dieses Thema ist mir durch die Schule bereits bekannt. So hätte ich mich teilweise aktiv an Fragestellungen beteiligen können. Dazu hätte ich mich nur etwas überwinden müssen.

Insgesamt kann ich viel aus der Schnupperwoche mitnehmen. Das Studieren unterscheidet sich hinsichtlich der Eigenständigkeit sehr stark von der Schule. Als Student ist man noch mehr auf sich selbst gestellt. Dies hat Freiheiten, welche man aber nicht in den Vordergrund stellen darf. Man muss sich für das, was man studiert, interessieren und Neigung sowohl Eignung mitbringen.
So konnte ich die Erwartungen an ein Informatikstudium zurückschrauben. Wirtschaftswissenschaft und Gesundheitsökonomie hingegen sind für mich weiterhin sehr interessant. Einen Kurs der Politikwissenschaften besuchte ich aufgrund eines abweichenden Zeitplans leider nicht.

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